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Fürs Kind investieren: Kinderdepot oder Zweit-Depot?

Aktualisiert: 14. Jan.

Das Jahr 2024 wird für uns auch persönlich ganz neue Erfahrungen bereit halten: Wir werden Eltern! Bereits jetzt machen wir uns Gedanken darüber, wie wir für unser Kind investieren wollen. Investieren wir das Geld über ein zweites Depot auf unseren Namen oder macht ein separates Kinderdepot Sinn? Was müssen wir hinsichtlich eines potentiellen BAföG-Anspruchs oder der Krankenversicherung beachten? Genau diese Fragen betrachten wir in diesem Blogbeitrag.


Macht ein Kinderdepot Sinn?

Ein Depot für die Kinder anzulegen und diese früh aktiv mit einzubeziehen, bietet viele Vorteile: frühzeitige Finanzerziehung, ggf. Steuervorteile durch den Freistellungsauftrag und langfristiger Vermögensaufbau mit Zinseszins. Denn gerade Kinder können maximal vom Zinseszins profitieren: Ein ideales Geschenk für die Zukunft unseres Kindes!


Zielsetzung klären

Bevor du ein Depot eröffnest, solltest du gemeinsam mit deiner/deinem Partner:in klären, mit welchem Ziel ihr eigentlich für euer Kind investieren möchtet:

Möchtet ihr euer Kind zum 18. mit einer schönen Summe Geld überraschen, über die es dann frei verfügen darf? Oder möchtet ihr bereits früh Geld für die Ausbildungsförderung oder ein Studium zur Seite zu legen? Egal welche individuelle Zielsetzung euch treibt, auch der langfristige Vermögensaufbau für die Kinder macht nur Sinn, wenn ihr das Geld wirklich mindestens 10-15 Jahre anlegt. Denn eine rechtliche Besonderheit beim Kinderdepot: Das Depotvermögen gehört dem Kind und steht ihm ab dem 18. Lebensjahr zu. Bis dahin darf das Vermögen nicht ausgegeben oder entspart werden – weder vom Kind noch von den gesetzlichen Vertretern. Im besten Falle startet ihr mit der Geburt und überrascht euer Kind bei Volljährigkeit mit einem prall gefüllten Depot!


Investmentstrategie wählen

Wie du für dein Kind vorsorgst ist individuell: Es muss nicht zwangsläufig ein Depot und ein Investment in Finanzprodukte am Aktienmarkt sein. Du könntest zum Beispiel auch eine Wohnung als Kapitalanlage kaufen und zukünftig auf dein Kind übertragen oder ein Studium durch die Mieteinnahmen finanzieren. Das setzt natürlich voraus, dass die Wohnung bis dahin abbezahlt ist.


Wir persönlich werden uns für unser Kind für einen All-World ETF entscheiden und kein größeres Portfolio mit unterschiedlichen Assetklassen aufbauen, wie wir es für uns selbst machen mit dem Weltportfolio: 🔗 Unsere Investmentstrategie: Das Weltportfolio

Ein breit gestreuter, thesaurierender ETF, der die komplette Weltwirtschaft abdeckt, reicht uns hier für die langfristige Anlage völlig aus - auch in punkto Rendite!


Bitte beachte: Für Junior-Depots & Kinderdepots gelten teilweise gesonderte gesetzliche Bestimmungen bei der Auswahl der Finanzprodukte...

Da das Geld für das Kind angelegt wird, bist du gesetzlich dazu verpflichtet, auf hohe Verlustrisiken zu verzichten (§ 1642 BGB). Daher sind etwa Kurswetten mithilfe von Optionsscheinen nicht möglich. 

Quelle: finanzfluss.de

Zweit-Depot oder Kinderdepot?

Die Frage aller Fragen beim Investieren fürs eigene Kind ist, welches Depot für dich und euch mehr Sinn macht. Ein Zweit-Depot auf den Namen eines Elternteils oder ein wirkliches Kinderdepot auf den Namen des Kindes?


Auch hier: die Entscheidung ist individuell und davon abhängig, wie eure individuelle Situation aussieht. Die folgenden Punkte müssen hierbei betrachtet werden:

  1. Verfügbarkeit für das Kind

  2. Potentiell zukünftiger BAföG-Anspruch

  3. Krankenversicherung

  4. Steuern / Freibetrag


Um das Ganze anschaulich zu machen, legen wir mal eine Beispielrechnung zu Grunde: Ihr investiert monatlich 100€ in einen breit gestreuten ETF mit 7% Rendite pro Jahr. Nach 18 Jahren habt ihr dann 42.000€ für euer Kind gespart.


1. Verfügbarkeit für das Kind

Wenn du dich oder ihr euch als Paar für ein Kinderdepot entscheidet, hat das Kind ab dem 18. Geburtstag vollen Zugriff auf das eigene Depot. Eine der größten Sorgen in der Community ist, dass das eigene Kind zu diesem Zeitpunkt noch nicht reif genug ist und das komplette Geld mit 18 Jahren innerhalb kurzer Zeit verprasst. Als finanzstarke Community denken wir aber, dass ihr nicht einfach an Tag X sagt: "So liebes Kind - hier sind über 40.000€!" Wir als Eltern möchten unser Kind bereits früh an Finanzbildung heranführen, Geld & Investieren zum Thema machen und mit dem Kind gemeinsam im Vorfeld überlegen, wie dieses Geld am sinnvollsten eingesetzt werden kann. Wir möchten unser Kind aktiv in diese Entscheidungen einbeziehen und hoffen sehr, dass es somit auch mit 18 weiß, welches Potential in dieser finanziellen Grundlage schlummert.


Manche Eltern überlegen sich auch "Tricks" bei Zuteilung des Kinderdepots mit Volljährigkeit, um ein Verprassen zu vermeiden. Wie gut oder schlecht oder erzieherisch wertvoll diese sind, musst du oder ihr als Paar selbst beurteilen:

  • "Was das Kind nicht weiß, macht es nicht heiß" Dem Kind einfach nicht erzählen, dass es ein Depot hat und hoffen, dass es das auch nicht selbst herausfindet bis zu einem späteren Zeitpunkt

  • "Wenn du das Geld noch x Jahre liegen lässt, dann..." ...zahlen wir weiter ein /...schenken dir xyz /...ergänzen wir einen Bonus


  • "Das ist speziell für dein Studium, wenn du das jetzt ausgibst, musst du schauen wie du im Studium selbst über die Runden kommst."


Wenn du oder ihr euch dafür entscheidet ein Zweit-Depot auf den Namen eines Elternteils zu eröffnen, könnt ihr dagegen frei entscheiden, wann euer Kind das Geld erhält bzw. wann ihr euer Kind als reif genug erachtet. Aktuell darf jeder Elternteil den eigenen Kindern alle 10 Jahre bis zu 400.000€ als Schenkung übertragen. Somit könntet ihr das Geld problemlos auf euer Kind übertragen, ohne Schenkungssteuer zahlen zu müssen.


2. Potentiell zukünftiger BAföG-Anspruch

Bei der Entscheidung für oder gegen ein Kinderdepot musst du auch einen potentiell zukünftigen BAföG-Anspruch mit bedenken. Achtung hierbei: Wir beziehen uns hier auf die aktuelle Regelung (Januar 2024). Wie die Ausbildungsförderung in 20 Jahren geregelt ist und welche Einkommens- & Vermögensgrenzen hier als Maßstab angelegt werden, kann heute natürlich noch niemand wissen. Einerseits wird durch das Amt das individuelle Vermögen des Kindes betrachtet:

"15.000 Euro Vermögen bleiben bei der BAföG-Förderung unberücksichtigt - für Auszubildende ab 30 Jahre sind das sogar 45.000 Euro - der Rest ist voll zur Finanzierung der Ausbildung einzusetzen." - Quelle: bafög.de

Das ist jedoch nur ein Faktor, der in die Betrachtung einbezogen wird. Ein weiterer ist das Einkommen der Eltern:

"Sind Deine Eltern verheiratet, musst Du ab einem Bruttoeinkommen von 44.000 Euro im Jahr mit den ersten Einbußen beim Bafög rechnen (Arbeitnehmer, keine weiteren Kinder). Oft kannst Du aber auch noch eine Teilförderung erhalten, wenn Deine Eltern über 50.000 Euro verdienen. Ab einem gemeinsamen Gehalt der Eltern von 70.000 Euro im Jahr ist die staatliche Förderung eher unwahrscheinlich." -Quelle: finanztip.de

Sollten wir in 20 Jahren trotz finanzieller Unabhängigkeit noch regulär arbeiten, und wenn auch nur beide in reduzierter Stundenanzahl, dann liegen wir aller Wahrscheinlichkeit nach über einem Brutto-Haushaltseinkommen von 70.000€. Somit wäre ein BAföG-Anspruch eher unwahrscheinlich.


Sollten wir bis dahin jedoch finanziell komplett unabhängig sein und von unserem eigenen Depot leben, könnte es passieren, dass wir "nur" 50.000€ pro Jahr entsparen und dieses Geld somit als unser Einkommen gilt. Wie das genau geht und was bei einer Entsparung des Depots auch steuerlich beachtet werden muss, erfahrt ihr hier: 🔗 Vom eigenen Depot leben


Es gilt auch hier: Du bzw. ihr kennt eure finanzielle Situation am besten. Natürlich ist es schwierig einzuschätzen, wie die eigene Einkommenssituation in ca. 18 Jahren aussehen wird. Ein guter Start ist es, im Haushaltsbuch die aktuelle Einkommenssituation zu analysieren und dann pro Jahr mit einer Steigerung von ca. 2% zu rechnen. Schaue dir alternativ deine letzten Gehaltssteigerungen an und versuche daraus einen Mittelwert zu bilden, mit dem du deine künftige Einkommenssituation schätzen kannst. Solltest du oder ihr als Paar dann auf ein Haushaltseinkommen von mehr als 70.000€ im Jahr kommen und ein BAföG-Anspruch damit immer unwahrscheinlicher werden, so könnt ihr dies bei eurer Depotauswahl beachten.


3. Krankenversicherung

Ab bestimmten Einkommensgrenzen kann sich ein Kinderdepot ggf. auf eure Krankenversicherungssituation als Familie auswirken. Wenn das Kind privatversichert ist, hat ein Kinderdepot keine Auswirkungen. In einer gesetzlichen Krankenversicherung darf dein Kind pro Jahr Kapitalerträge von bis zu 6.820€ (Steuerfreibetrag berücksichtigt) erzielen. Bei Kapitalerträgen, die über diesem Wert liegen kann dies Einfluss auf den Versicherungsstatus haben.


6.820€ im Jahr sind Ausschüttungen von 568€ pro Monat. Über die 4% Regel können wir wieder "rückwärts" berechnen, über wieviel Kapital wir hier dann insgesamt im Kinderdepot reden.

  • 568€ x 12 = 6.820 € (Jährliche Entnahme)

  • 6.820€ x 25 = 170.500€


Dein Kind benötigt also einen Depotwert von mehr 170.500€ mit entsprechenden monatlichen Entsparungen oder Ausschüttungen, bevor dies Auswirkungen auf den Krankenversicherungsstatus hat. Um diesen Depotwert über einen Zeitraum von 18 Jahren zu erreichen, müsstest du heute bereits mehr als 400€ monatlich ins Kinderdepot investieren.


4. Steuern / Freibetrag

Einer der größten Vorteile im Kinderdepot liegt bei der steuerlichen Betrachtung, nämlich im Steuerfreitag. Dein Kind erhält, wie jeder andere deutsche Sparer auch, ab Geburt einen Freibetrag von 1.000€ pro Kalenderjahr. Solltest du ein Zweit-Depot auf deinen eigenen Namen eröffnen, gilt dies als dein zusätzliches Depot und du musst deinen Steuerfreibetrag auf alle deine Konten- und Depots aufteilen.


Nun kommt es natürlich auch ein wenig darauf an, welche Anlage-Strategie ihr plant bzw. mit welchen Finanzprodukten ihr das Depot eures Kindes ausstatten wollt. Wenn ihr vorrangig in Dividenden-Aktien investiert, müsst ihr ganz anders mit den Freibeträgen kalkulieren als wir, die in einen thesaurierenden ETF investieren werden.

Beziehung der Eltern

Ein weiterer Punkt, der durchaus kritisch werden kann, ist ein Scheitern der Beziehung der Eltern während der Ansparphase bzw. bereits geschiedene/getrennte Eltern mit schwierigem Verhältnis. Wir wollen nicht schwarz malen, sondern möchten euch als Paar bitten, sämtliche Möglichkeiten gemeinsam zu durchdenken. 2021 lag die Scheidungsquote in Deutschland immerhin bei knapp 40%! Rein statistisch ist eine Trennung der Eltern bei diesen Zahlen, also durchaus eine potentielle Möglichkeit, die es zu betrachten gilt.


Vor diesem Hintergrund spricht alles für ein Junior- bzw. Kinderdepot. Hier seid ihr auf der sicheren Seite, dass das Geld wirklich dem Kind gehört. Weder das Kind, noch eins der beiden Elternteile, darf Geld vor dem 18. Lebensjahr des Kindes aus dem Depot entnehmen. Wer das dennoch tut, macht sich strafbar. Wenn ihr euch heute für die Zweit-Depot Lösung auf den Namen eines Elternteils entscheidet, hat nur ein Elternteil Zugriff auf das Geld, welches ihr eigentlich gemeinsam für das Kind gespart habt. Dies kann bei einem schwierigen Verhältnis zu Konflikten führen.


Mehrere Kinder

Bei mehr als einem oder zwei Kindern ist es natürlich gleich eine ganz andere Frage, wie genau für jedes einzelne Kind gespart wird. Natürlich kann für jedes Kind einzeln ein Kinderdepot eröffnet werden. In der Praxis und im Alltag könnte es dann allerdings unübersichtlich werden mit Depots, Zugangsdaten, monatlichen Überweisungen und Sparplänen. Bekannte von uns mit 4 (mittlerweile Erwachsenen) Kindern haben sich dafür entschieden, ein Depot für alle 4 Kinder anzulegen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten, für unterschiedliche Anlässe, Geld aus diesem Depot zu entsparen. Ein Kind hat eine Ausbildung gemacht und währenddessen zuhause gewohnt, zwei weitere haben studiert und einer hat dual studiert. Damit war der Bedarf der Kinder an finanzieller Unterstützung während der Ausbildungsphase unterschiedlich. Damit es trotzdem gerecht bleibt, tracken sie manuell über eine separate Excel-Liste, welches Kind bisher wieviel Geld bekommen hat und gleichen es über Bonus-Zahlungen aus.


Fazit - Individuelle Entscheidung

Nun steht sie aus - eure bzw. deine individuelle Entscheidung für ein Zweit-Depot bzw. für ein Kinderdepot. Wir persönlich werden uns für sowohl als auch entscheiden!


Vor allem, weil wir unserem Kind zutrauen wollen mit Volljährigkeit bereits eigene Finanzentscheidungen zu treffen, werden wir ein Kinderdepot eröffnen. Dieses besparen wir dann mit 25€-30€ monatlich, sodass wir unser Kind mit 18 Jahren mit 10.000 - 12.500€ beschenken können. Wir eröffnen allerdings gezielt ein Zweit-Depot auf unseren Namen, um hiervon planbar zukünftige Kosten wie den Führerschein oder ein Studium (Bachelor- und Master) bzw. eine Ausbildungsförderung finanzieren zu können.


Wo wir dieses Depot eröffnen, für welchen Broker wir uns entscheiden und für welchen ETF teilen wir zeitnah in einem extra Blogbeitrag mit euch!



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