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Das PFOF-Verbot ist da - so haben Trade Republic und Scalable Capital reagiert

10. Aug.
7 Min. Lesezeit

Seit mehreren Monaten gab es Verunsicherung unter Anleger:innen, ob die Neobroker ihre günstige Kostenstruktur halten können, wenn das PFOF-Verbot kommt. Nun ist das Verbot zum 1. Juli 2026 in Kraft getreten, und wir haben für euch ganz genau recherchiert, was das heißt und wie Scalable Capital und Trade Republic die Änderungen umgesetzt haben. Spoiler vorweg: Die Lösung ist deutlich cleverer, als wir erwartet hatten und für uns als Anleger:innen sogar ein echter Fortschritt.


Wie wird sich das PFOF-Vervot auf die größten deutschen Neo-Broker aus?

Was ist Payment for Order Flow überhaupt?


Fangen wir ganz vorne an, denn der Begriff klingt sperriger, als er ist.


Payment for Order Flow – kurz PFOF, auf Deutsch auch "Rückvergütung" genannt – war lange Zeit das heimliche Rückgrat des Neobroker-Geschäftsmodells.

So funktionierte es:

Wenn du bei Trade Republic oder Scalable Capital eine Order aufgegeben hast, wurde diese Order an einen bestimmten Handelsplatz weitergeleitet – zum Beispiel an Lang & Schwarz oder gettex. Dieser Handelsplatz beziehungsweise der dort aktive Market Maker hat für die Weiterleitung deiner Order eine Provision an deinen Broker gezahlt. Für Trade Republic machten diese Rückvergütungen laut mehreren Marktbeobachtungen zeitweise rund ein Drittel der gesamten Erlöse aus – eine wirklich zentrale Einnahmequelle also.


Für dich als Kund:in fühlte sich das an wie "kostenloses" Investieren: 1 € Ordergebühr, fertig. Genau dieses Modell hat Millionen Menschen den Einstieg ins Investieren zugänglich gemacht – uns eingeschlossen. Ohne die günstigen Neobroker hätten wir unseren ETF-Sparplan wahrscheinlich deutlich später gestartet. Das Problem, das die EU darin gesehen hat: ein möglicher Interessenkonflikt. Wenn ein Broker Geld dafür bekommt, deine Order an einen bestimmten Handelsplatz zu schicken, stellt sich zurecht die Frage, ob dort wirklich der beste Preis für dich herausspringt – oder ob am Ende die höchste Rückvergütung für den Broker den Ausschlag gibt. Die europäische Aufsichtsbehörde ESMA hat diesen Punkt im Rahmen der MiFIR-Reform sehr konsequent verfolgt, während die deutsche BaFin lange zögerlicher war, wohl auch, um den Innovationsstandort für Fintechs wie Trade Republic oder Scalable Capital zu schützen. Am Ende hat sich die europäische Linie durchgesetzt.


Der Stichtag: Seit dem 1. Juli 2026 ist PFOF EU-weit verboten


Seit dem 1. Juli 2026 gilt das Verbot ohne Ausnahmen in der gesamten Europäischen Union. Broker dürfen ab diesem Datum überhaupt keine Rückvergütungen mehr von Market Makern für weitergeleitete Kundenorders annehmen. Deutschland hatte zuvor noch eine Übergangsfrist genutzt, doch spätestens zum 1. Juli war für alle betroffenen Anbieter Schluss mit dem alten Modell.

Für uns als Sparfuchs-Familie war die eigentlich spannende Frage dabei gar nicht das "Ob", sondern das "Wie": Wie stellen Trade Republic und Scalable Capital jetzt eigentlich sicher, dass sie euch weiterhin günstige Konditionen bieten können, wenn eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen plötzlich wegfällt? Genau hier wird es richtig interessant.


Wie Scalable Capital das Problem gelöst hat: Die eigene Börse EIX

Am meisten beeindruckt hat uns bei der Recherche, wie früh Scalable Capital sich auf das Verbot vorbereitet hat. Schon im Dezember 2024 – also gut anderthalb Jahre vor dem eigentlichen Stichtag – ist Scalable Capital gemeinsam mit der Börse Hannover an den Start gegangen mit einer komplett eigenen Handelsplattform: der European Investor Exchange, kurz EIX.


Was steckt dahinter?

Statt Orders an einen externen Handelsplatz weiterzuleiten und dafür eine Rückvergütung zu kassieren, betreibt Scalable Capital über die EIX jetzt selbst einen regulierten Handelsplatz. Die Scalable Capital Bank GmbH tritt dort gemeinsam mit der mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG als Market Maker auf. Das bedeutet: Statt einer Rückvergütung für die Weiterleitung verdient Scalable Capital jetzt über den sogenannten Spread – also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs eines Wertpapiers.


Konkret läuft es so ab:

  1. Du gibst über die App eine Order auf – zum Beispiel deinen monatlichen ETF-Sparplan über 200 €.

  2. Diese Order wird über die EIX ausgeführt, die von der Börse Hannover für die Handelsüberwachung und die faire Preisbildung reguliert wird.

  3. Scalable Capital selbst stellt als Market Maker die Kurse und verdient am Spread – nicht mehr an einer Rückvergütung von Dritten.


Der große Vorteil für dich: Beim Handel über die EIX fallen für dich keine zusätzlichen Börsenentgelte oder Courtagen an, und die Handelszeiten sind mit 7:30 bis 23:00 Uhr sogar deutlich länger als beim klassischen Börsenhandel – an der EIX kannst du sogar am Wochenende Orders aufgeben, die dann am nächsten Handelstag ausgeführt werden. Für alle, die abends nach dem Kita-Chaos noch schnell eine Order aufgeben wollen (auch wenn wir das so gut wie nie machen 🤓), ist das ein echter Alltagsgewinn.




Wie Trade Republic reagiert hat:

Bestpreis-Ausführung über 30 Börsen

Trade Republic hat sich mit der öffentlichen Antwort deutlich mehr Zeit gelassen – und dann am 2. Juli 2026, nur einen Tag nach dem Inkrafttreten des Verbots, mit einer kompletten Neuaufstellung überrascht. Vorbereitet war der Broker allerdings längst: Bereits im Januar 2026 hatte eine Tochtergesellschaft von der BaFin die Lizenz für den Betrieb eines eigenen multilateralen Handelssystems erhalten.

Das Kernstück der neuen Infrastruktur ist die sogenannte Bestpreis-Ausführung. Ein Algorithmus vergleicht dabei in Echtzeit die Kurse über alle relevanten liquiden Börsen hinweg – Trade Republic spricht von einem "aggregierten Orderbuch" – und wählt automatisch den günstigsten Kaufkurs beziehungsweise den besten Verkaufskurs aus. Das Ganze funktioniert unabhängig von der Ordergröße und ohne zusätzliche Kosten. Der Preis bleibt dabei bei der bekannten Pauschale von 1 € pro Trade.


Ergänzend dazu gibt es jetzt den sogenannten Direktpreis: Wenn du gezielt an einer bestimmten Börse handeln möchtest – etwa an der Xetra oder an einer US-Börse wie der Nasdaq –, kannst du das für 2 € pro Order tun. Insgesamt stehen dir jetzt rund 30 internationale Handelsplätze zur Verfügung, darunter Xetra, Euronext und Nasdaq. Dazu kommt ein neues, kostenloses Web Terminal für aktive Anleger:innen mit professionellem Charting, Aktien- und Derivate-Screenern sowie Live-Marktdaten.

Wichtig für die Einordnung: Auch bei der Bestpreis-Order tritt Trade Republic weiterhin selbst als Gegenpartei auf – deine Order trifft also nicht direkt auf einen Verkäufer an einer klassischen Börse, sondern wird intern über Trade Republic abgewickelt. Strukturell ist das damit gar nicht so weit weg vom Scalable-Modell: Beide Broker haben aus der Not eine eigene Handelsinfrastruktur gemacht, über die sie selbst als Market Maker verdienen.


Die Reaktion aus der Finanz-Community

Auch in der Finanzbildungs-Community wurde die Umstellung genau beobachtet. Thomas Kehl von Finanzfluss hat die neue Infrastruktur von Trade Republic in einem Instagram-Reel als "extrem beeindruckend" bezeichnet – vor allem die Bestpreis-Funktion sieht er als klaren Vorteil für uns als Investor:innen. Diese Einschätzung deckt sich mit dem, was wir bei unserer Recherche gesehen haben: Statt die Kosten stillschweigend zu erhöhen, haben beide großen Neobroker in bessere Technologie investiert.

Rechenbeispiel:

Was bedeutet das konkret für deinen Sparplan?


Zahlen sagen bekanntlich mehr als tausend Worte, also rechnen wir kurz gemeinsam durch, was sich für einen typischen ETF-Sparplan ändert.

Szenario

Vorher (mit PFOF)

Jetzt (ohne PFOF)

Kauf einer Aktie (Wert: 200 €)

1 € Ordergebühr

1 € Ordergebühr (Bestpreis/EIX)

Einzelorder an gewünschter Börse

nicht separat möglich

2 € Ordergebühr (Direktpreis, nur bei Trade Republic)

Zusätzliche Kosten pro Jahr bei 12 Sparplan-Ausführungen

12 €

12 €

Gut für uns und euch: Die Ausführung der ETF-Sparpläne bleibt bei beiden Brokern wie gehabt kostenfrei! Selbst im Worst Case – wenn eine Order künftig 2 € statt 1 € kosten würde – kämen bei einem monatlichen Sparplan gerade einmal 12 € zusätzliche Kosten im Jahr zusammen. Für uns als Familie, die jeden Monat einen festen Betrag in unseren MSCI-World-ETF investiert, ist das ein Betrag, über den wir uns ehrlich gesagt keine grauen Haare wachsen lassen. 🚀

Unsere persönliche Haltung: Ändern wir jetzt etwas an unserer Strategie?

Ganz klar: Nein. Und das meinen wir wirklich so. Wir lassen unsere ETF-Sparpläne bei Trade Republic und Scalable Capital exakt so weiterlaufen wie bisher. Warum sind wir da so entspannt? Weil wir bei unserer Recherche gesehen haben, dass beide Broker die Umstellung als strategische Chance begriffen haben, statt einfach nur eine verlorene Einnahmequelle durch höhere Gebühren zu kompensieren. Scalable Capital hat sich mit der EIX schon Jahre im Voraus eine solide Basis geschaffen. Trade Republic hat mit der Bestpreis-Ausführung sogar eine Verbesserung gegenüber dem alten Modell eingeführt: Früher wurde deine Order nur über einen einzigen Handelsplatz ausgeführt, jetzt vergleicht ein Algorithmus automatisch die Kurse über viele Börsen hinweg. Das ist für uns als Anleger:innen ein echter Mehrwert, den es vorher schlicht nicht gab.


🚨Was wir trotzdem im Blick behalten: Die Ankündigungen unserer Broker in den kommenden Monaten. Sollte sich an der Kostenstruktur etwas ändern, informieren beide Anbieter ihre Kund:innen aktiv darüber – und dann schauen wir uns das gemeinsam mit euch genau an. Bis dahin gilt bei uns: INDEX and Chill. 🏝️


Ein Punkt, der uns bei der Recherche besonders positiv aufgefallen ist: Beide Broker haben sich für den transparenteren Weg entschieden. Statt die neue Kostenstruktur zu verstecken, kommunizieren sowohl Trade Republic als auch Scalable Capital sehr offen, wie sie jetzt Geld verdienen – über den Spread als Market Maker statt über eine Rückvergütung im Hintergrund. Für uns fühlt sich das nachvollziehbarer an als das alte PFOF-Modell, bei dem die Provisionsflüsse für uns als Kund:innen eigentlich nie wirklich sichtbar waren.


Was du jetzt konkret tun kannst

Falls du selbst bei Trade Republic oder Scalable Capital investierst, hier unsere drei Empfehlungen für die nächsten Wochen:

1. Wirf einen Blick in deine letzte Orderabrechnung.  Dort siehst du, über welchen Handelsplatz deine Order ausgeführt wurde – bei Scalable Capital jetzt meist die EIX, bei Trade Republic die neue Bestpreis-Ausführung.

2. Lies die Kommunikation deines Brokers aufmerksam.  Beide Anbieter informieren aktiv, sobald sich an Gebühren oder Konditionen etwas ändert. Ein Blick in die App-Benachrichtigungen oder den E-Mail-Posteingang lohnt sich.


3. Bleib entspannt bei deinem Sparplan.  Für die allermeisten von uns, die regelmäßig in einen ETF-Sparplan investieren, ändert sich im Alltag herzlich wenig. Die große Aufregung um das PFOF-Verbot war – Stand jetzt – lauter als die tatsächlichen Auswirkungen.


Unser Fazit

Das PFOF-Verbot ist ein gutes Beispiel dafür, wie Regulierung manchmal genau das bewirkt, was sie eigentlich soll: mehr Transparenz, ohne dass am Ende die Anleger:innen draufzahlen. Trade Republic und Scalable Capital haben gezeigt, dass ein verändertes Geschäftsmodell nicht automatisch teurere Konditionen für dich bedeuten muss – im Gegenteil, mit der Bestpreis-Ausführung und der EIX ist sogar ein Stück mehr Marktzugang und Transparenz entstanden.

Für uns ist das ein weiterer Beweis dafür, warum wir bei unserer Investmentstrategie so viel Wert auf Gelassenheit legen: Nicht jede Schlagzeile, die durch die sozialen Medien geistert, muss sofort zu einer Reaktion führen. Manchmal lohnt es sich, erst einmal in Ruhe zu recherchieren, bevor man das eigene Depot in Frage stellt.

Wie ist das bei dir – hat dich die Nachricht vom PFOF-Verbot auch kurz aus der Ruhe gebracht? Und bei welchem Broker bist du unterwegs? Schreib es uns gern in die Kommentare oder schick uns eine Nachricht auf Instagram, wir freuen uns immer über den Austausch mit euch. 💫

Wenn du dir generell noch unsicher bist, wie du dein erstes Investment aufbaust und welcher Broker zu dir passt, findest du in unserem ETF-Workshop "Dein erster ETF Sparplan" eine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung – ganz ohne Fachchinesisch.

Quellen und weiterführende Links:

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar und ersetzt keine individuelle Beratung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand August 2026.

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