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Das Altersvorsorgedepot 2027 - lohnt es sich?

7. Sept.
17 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Sept.

Was kann das neue Altersvorsorgedepot? Es ist mit das größte Umbauprojekt der staatlich geförderten Altersvorsorge seit der Einführung der Riester-Rente im Jahr 2002. Dieses Mal ist der Ansatz grundlegend anders. Statt teurer Versicherungsprodukte mit Beitragsgarantien soll es künftig vor allem ein Altersvorsorgedepot geben – also ein gefördertes Wertpapierdepot, in das du direkt ETFs einzahlen kannst. Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Also haben wir uns das genau angeschaut.


Altersvorsorgedepot: Entspannt in den Ruhestand



Vorweg unser ehrliches Fazit, damit du weißt, worauf das hier hinausläuft: Wir finden die Reform gut, und wir werden trotzdem nur den Mindestbeitrag einzahlen. Warum, das erklären wir dir weiter unten im Kapitel über die fehlende Flexibilität – denn genau da liegt für uns als FIRE-Anhänger der Haken. 🧐


In diesem Artikel erfährst du:

  • was das Altersvorsorgedepot überhaupt ist, ohne Fachchinesisch

  • für wen es sich richtig lohnt und für wen eher nicht

  • ab wann du starten kannst und wo du dich jetzt schon vormerken lassen kannst

  • was uns daran stört

  • warum die 30 Euro im Monat für uns die magische Grenze sind




Was ist das Altersvorsorgedepot?

Am einfachsten verstehst du das Ganze, wenn du dir ein normales Depot vorstellst, also ein Konto, auf dem du ETFs kaufst und dann jahrzehntelang liegen lässt. Genau so ein Depot ist das Altersvorsorgedepot auch, es unterscheidet sich nur in zwei Punkten davon:


  1. Der erste Unterschied ist der schöne: Der Staat zahlt mit ein. Du überweist deinen Beitrag, und der Staat legt eine Zulage obendrauf, ohne dass du dafür etwas tun müsstest außer einmal im Jahr einen Haken zu setzen.


  1. Der zweite Unterschied ist der unangenehme: Vor deinem 65. Geburtstag kommst du an das Geld nicht heran. Es ist explizit für deine Rente reserviert, und wenn du früher rangehst, musst du sämtliche Zulagen zurückzahlen.


Mehr ist es im Kern nicht – ein ETF-Depot mit einem Geschenk vom Staat und einem Schloss davor. 🔐 Wichtig! Auch das Altersvorsorgedepot ist weiterhin nur ein Teil deiner Altersvorsorge:

Das Altersvorsorgedepot als ein Baustein deiner Altersvorsorge


Warum überhaupt etwas Neues?

Die Riester-Rente war für viele Menschen eine Enttäuschung, und das lag vor allem an einer einzigen Regel: Der Anbieter musste dir garantieren, dass am Ende mindestens deine eingezahlten Euros wieder herauskommen. Das klingt erstmal beruhigend, hatte aber eine Nebenwirkung, die alles kaputt gemacht hat. Denn wer garantieren muss, darf kein Risiko eingehen, und deshalb lag das Geld über Jahrzehnte praktisch auf einem Sparbuch. Weil die Versicherungen für diese Nicht-Rendite dann auch noch ordentlich Gebühren nahmen, blieb am Ende bei vielen weniger übrig, als sie eingezahlt hatten.


Beim Altersvorsorgedepot ist diese Garantie ersatzlos gestrichen, und dein Geld darf endlich in Aktien-ETFs. Das heißt natürlich auch, dass dein Depot schwankt und in einem schlechten Jahr ein Minus stehen kann – aber über 30 Jahre ist genau das der Weg, auf dem Vermögen entsteht.


Wie viel legt der Staat dazu?

Es gibt 3 unterschiedliche Fördertöpfe, und die schauen wir uns einzeln an...

Topf 1: Die Grundzulage

Was du im Jahr einzahlst...

Was der Staat dazugibt:

... die ersten 360 €

50 Cent pro Euro → bis zu 180 €

... alles von 361 € bis 1.800 €

25 Cent pro Euro → bis zu 360 €

zusammen also höchstens

540 € im Jahr

💡 Der Punkt, den du dir aus dieser Tabelle merken solltest, ist die erste Zeile: Die ersten 360 Euro im Jahr sind mit Abstand die wertvollsten, weil du dort auf jeden Euro 50 Cent bekommst. Umgerechnet sind das 30 Euro im Monat, und wer nur genau so viel spart, hat den besten Teil der Förderung schon eingesammelt. Alles darüber wird nur noch halb so gut bezuschusst.


Topf 2: Die Kinderzulage

Für jedes Kind, für das du Kindergeld bekommst, legt der Staat einen ganzen Euro auf jeden Euro obendrauf, den du selbst sparst – bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr. Das heißt im Klartext: Wenn du 300 Euro im Jahr einzahlst, also 25 Euro im Monat, hast du die volle Kinderzulage schon ausgereizt.


Topf 3: Der Bonus für junge Leute

Wer den Vertrag vor dem 25. Geburtstag abschließt, bekommt einmalig 200 Euro obendrauf. Das gibt es genau einmal im Leben, und weil du für den Vertrag volljährig sein musst, hast du dafür ein Fenster von sieben Jahren – von 18 bis 24. Wer heute 24 ist, sollte sich das also ernsthaft anschauen.


Und wie ist das mit der Steuer?

Hier musst du zwei Dinge auseinanderhalten, weil sie in entgegengesetzte Richtungen wirken.

⬇️ Beim Einzahlen sparst du Steuern, denn deine Beiträge kannst du bis 1.800 Euro im Jahr in der Steuererklärung angeben. Das Finanzamt rechnet dann von allein nach, ob dir dadurch mehr zusteht als die Zulage, und zahlt dir die Differenz aus.

⬆️ Beim Auszahlen zahlst du Steuern, und zwar auf alles, was herauskommt, mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz im Alter. Das ist ein handfester Unterschied zum normalen Depot, und weil er gern unter den Tisch fällt, kommen wir im Kritik-Teil ausführlich darauf zurück.

Wie viel darf ich einzahlen?

Bis zu 6.840 Euro im Jahr darfst du einzahlen, gefördert werden davon aber nur die ersten 1.800 Euro. Der Rest liegt einfach mit im Depot, ohne dass eine Zulage darauf fällt – und dann stellt sich ehrlicherweise die Frage, warum du ihn nicht gleich in ein klassisches Depot legst, an das du jederzeit herankommst!




Für wen lohnt es sich?

Genug Theorie, lasst uns das mal konkret durchrechnen. Wir haben uns drei Lebenssituationen angeschaut, die es häufig gibt:


Jonas, 24, gerade fertig mit der Ausbildung

Jonas ist angestellt, verdient 38.000 Euro brutto im Jahr, hat keine Kinder und will 100 Euro im Monat zurücklegen, also 1.200 Euro im Jahr. Auf die ersten 360 Euro bekommt er 180 Euro Grundzulage, auf die restlichen 840 Euro noch einmal 210 Euro, und weil er beim Abschluss noch keine 25 ist, kommt einmalig der Bonus von 200 Euro dazu. Im ersten Jahr legt der Staat also 590 Euro auf seine 1.200 Euro drauf, ab dem zweiten Jahr sind es 390 Euro.


Anders gesagt: Jonas überweist 1.200 Euro, und im Depot landen im ersten Jahr 1.790 Euro. Der Staat übernimmt fast ein Drittel seiner Sparleistung, und Jonas hat noch über 40 Jahre Zeit, in denen dieses Geld für ihn arbeiten kann.


Unterm Strich: Klar lohnend, vor allem wegen des 200-Euro-Bonus, den es nur bis zum 25. Geburtstag gibt. Wenn du unter 25 bist und ohnehin überlegst, ist das der Moment. ✅


Familie Schröder, zwei Kinder

Antje ist 38, Michael 40, beide sind angestellt und kommen zusammen auf 85.000 Euro brutto. Die Kinder sind 7 und 10 Jahre alt, und beide Eltern legen je 600 Euro im Jahr zurück, also 50 Euro im Monat pro Person. Antje bezieht das Kindergeld und bekommt deshalb 240 Euro Grundzulage plus zweimal 300 Euro Kinderzulage, macht 840 Euro. Michael bekommt seine 240 Euro Grundzulage, aber keine Kinderzulage, weil die nur einmal vergeben wird.

Zusammen sind das 1.080 Euro vom Staat auf 1.200 Euro eigene Einzahlung – der Staat verdoppelt die Sparrate der Familie also fast. Einen solchen Hebel findest du in der ganzen Finanzwelt sonst nirgendwo, und deshalb ist das für uns die eindeutigste Empfehlung im ganzen Artikel.

Zwei Dinge musst du dabei allerdings wissen. Die Kinderzulage bekommt immer nur ein Elternteil, und zwar das, auf dessen Konto das Kindergeld läuft – aufteilen oder doppelt kassieren geht nicht. Und sie fällt weg, sobald es kein Kindergeld mehr gibt, bei Familie Schröder also in etwa 8 beziehungsweise 11 Jahren.

Unterm Strich: Für Familien mit Kindern ist das die stärkste Förderung, die das System zu bieten hat. Wichtig ist nur, dass wirklich beide einen eigenen Vertrag haben, denn wer alles auf eine Person schiebt, verschenkt die zweite Grundzulage von bis zu 540 Euro im Jahr.

Thomas, 37, selbstständiger Grafiker

Thomas ist Freiberufler, verheiratet mit Sandra (35, angestellt), und die beiden haben ein Kind. Für ihn ist die Reform die größte Neuigkeit überhaupt, denn bei Riester durfte er schlicht nicht mitmachen: Selbstständige waren außen vor. Ab 2027 ist er dabei.

Wenn er 1.800 Euro im Jahr einzahlt, bekommt er die volle Grundzulage von 540 Euro, und bei seinem Steuersatz von rund 38 Prozent kommt noch ein Steuervorteil von etwa 350 Euro dazu. Unter dem Strich sind das rund 890 Euro Förderung auf 1.800 Euro Eigenleistung.

Ein wichtiger Hinweis an alle Selbstständigen: So schön die neue Förderberechtigung ist, das Altersvorsorgedepot bleibt eine Ergänzung und ist keine Grundabsicherung. Wenn du gar keine gesetzliche Rente hast, ersetzt ein gefördertes ETF-Depot sie nicht, sondern ist einer von mehreren Bausteinen, die du dir aufbauen musst.


Schließt das jetzt meine Rentenlücke?

Diese Frage ist uns beim Schreiben selbst gekommen...

Kurz zur Wiederholung: Was ist nochmal die Rentenlücke? Das sogenannte Rentenniveau liegt bei 48 Prozent und ist per Gesetz bis 2031 dort festgehalten. In der Realität liegen die tatsächlich ausgezahlten Altersrenten heute im Schnitt bei rund 1.180 Euro, bei Frauen sogar nur bei etwa 1.000 Euro. Und je nachdem, was du heute verdienst, klafft zwischen deinem gewohnten Lebensstandard und dieser Rente eine Lücke von mindestens 640 Euro (!!) im Monat aufwärts.


Und was kann das Altersvorsorgedepot davon auffangen?

Gefördert werden höchstens 1.800 Euro eigener Beitrag im Jahr, dazu kommen höchstens 540 Euro Zulage. Wenn du also alles ausreizt, fließen 2.340 Euro im Jahr in dein Depot.


Wie viel dabei herauskommt, hängt an zwei Dingen, die niemand vorhersagen kann: Wie lange du einzahlst und wie sich die Börse entwickelt. Damit du trotzdem eine Größenordnung hast, haben wir zwei Szenarien gerechnet.


Wichtig! Das sind Annahmen, keine Zusagen:


Du zahlst

Nach … Jahren im Depot

Daraus monatlich von 65 bis 85 als Rente:

Mindestbeitrag

30 €/Monat

rund 80.000 € nach 40 Jahren

rund 335 € brutto

Maximalbeitrag

150 €/Monat

rund 250.000 € nach 35 Jahren

rund 1.050 € brutto

⚠️ Wir unterstellen 6 Prozent Rendite im Jahr und 0,15 Prozent Kosten, und beides kann auch ganz anders kommen. Von beiden Beträgen geht im Alter noch die Einkommensteuer ab, denn beim Altersvorsorgedepot wird die komplette Auszahlung besteuert und nicht nur der Gewinn.


Was heißt das konkret?

Das Altersvorsorgedepot ist und bleibt eine Ergänzung zum gesetzlichen System. Wer die Förderung mitnimmt und sonst nichts tut, hat seine Vorsorge nicht erledigt – schon deshalb nicht, weil die Förderung bei 1.800 Euro im Jahr gedeckelt ist. Wenn du deine Lücke wirklich schließen willst, brauchst du weiterhin ein eigenes, klassisches Depot daneben. Das Altersvorsorgedepot ist dann die eine Säule, die der Staat mitfinanziert, und dein Depot ist die Säule, die flexibel bleibt und an die du auch mit 50 schon herankommst. Genau so machen wir es auch, und warum wir dabei bewusst nur den Mindestbeitrag wählen, liest du gleich im Kritik-Teil.👇🏼



Ein Rat, der unabhängig von allem anderen gilt: Schau einmal in deine Renteninformation, die dir die Deutsche Rentenversicherung jedes Jahr schickt. Der Betrag, der dort unten steht, ist der Ausgangspunkt für jede Rechnung, die du danach machst.



Ab wann kann ich starten?

Diese Frage bekommen wir gerade ständig, und meistens stecken eigentlich drei verschiedene Fragen darin. Wir gehen sie der Reihe nach durch.


Wann geht es offiziell los?

Am 1. Januar 2027, vorher darf kein Anbieter ein Altersvorsorgedepot verkaufen.

Das Gesetz dahinter heißt Altersvorsorgereformgesetz und ist längst durch: Der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 zugestimmt, verkündet wurde es Ende Mai 2026. An den Zulagen, den Grenzen und den Regeln ändert sich also nichts mehr, darauf kannst du dich verlassen.


Was noch fehlt, ist das Kleingedruckte, und zwar an zwei Stellen. Die Rechtsverordnung, die viele Details der Ausgestaltung regelt, lag Anfang September 2026 noch nicht vor. Und jeder Anbieter muss sein Produkt vom Bundeszentralamt für Steuern prüfen und zertifizieren lassen, bevor er es überhaupt als gefördert bewerben darf – diese Prüfungen laufen erst ab Herbst 2026 an. Für dich heißt das: Sämtliche Konditionen, die du heute irgendwo liest, stehen unter Vorbehalt.


Wann kann ich mich anmelden?

Vormerken kannst du dich jetzt schon, und der erste Anbieter nimmt seit Ende August Voranmeldungen entgegen. Du reservierst dir damit einen Platz für den 1. Januar 2027, zahlst aber noch keinen Cent ein und gehst keine Verpflichtung ein.


Und wann kommt das Geld wieder heraus?

Frühestens mit 65 Jahren, spätestens mit 70 muss die Auszahlung beginnen. Dann kannst du dir bis zu 30 Prozent deines Depots auf einen Schlag auszahlen lassen, und der Rest läuft entweder als Auszahlplan bis mindestens zu deinem 85. Lebensjahr oder als lebenslange Rente. Beim Auszahlplan wird die monatliche Rate alle drei Jahre neu berechnet, je nachdem wie sich dein Depot bis dahin entwickelt hat.

Und wer darf überhaupt mitmachen?

Förderberechtigt sind ab 2027 alle Angestellten und Azubis, Beamtinnen und Beamte, Eltern in der Kindererziehungszeit sowie Menschen in Elternzeit, mit ALG I oder Krankengeld. Neu dazugekommen sind Selbstständige und Freiberufler und die Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke, also zum Beispiel Ärzt:innen und Anwält:innen. Wer bereits eine volle Altersrente bezieht, ist dagegen raus.

Ein Extra-Hinweis für Beamtinnen und Beamte, Richter:innen und Soldat:innen: Ihr seid dabei, müsst aber einen zusätzlichen Schritt gehen. Weil ihr nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, kennt die Zulagenstelle eure Besoldungsdaten nicht. Ihr müsst eurem Dienstherrn also ausdrücklich die Einwilligung geben, diese Daten weiterzuleiten – sonst bekommt ihr trotz Vertrag und Einzahlung keinen Cent Zulage. Denkt bei Vertragsabschluss direkt an die Einwilligungserklärung bei eurer Besoldungsstelle, und wartet damit nicht. Dasselbe gilt für alle in einem berufsständischen Versorgungswerk.



Was uns daran stört

Es gibt vier Punkte, die du dringend kennen solltest, bevor du irgendwo unterschreibst – und der erste ist für uns persönlich der wichtigste.


1. Die fehlende Flexibilität

Das ist der Punkt, an dem sich für uns alles entscheidet, und er wird in den meisten Artikeln zu diesem Thema erstaunlich klein geschrieben:

Vor deinem 65. Geburtstag kommst du an dieses Geld nicht heran 🤯

Nicht bei Jobverlust, nicht bei einem Umzug, nicht bei einer Trennung und auch nicht, wenn du dir mit 50 ein Jahr Auszeit nehmen willst. Wenn du trotzdem rangehst, musst du sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Es gibt ein paar schmale Ausnahmen, etwa für den Kauf einer selbst genutzten Wohnung oder eine energetische Sanierung, aber ansonsten gilt: Schloss zu bis 65.

Und jetzt kommt der Teil, der uns als Familie betrifft, die ja auf finanzielle Unabhängigkeit hinspart: Der ganze Sinn von FIRE ist ja, dass wir deutlich vor 65 aufhören zu arbeiten – also genau in dem Zeitraum, in dem das Altersvorsorgedepot noch fest verschlossen ist. Wer mit 50 aus dem Job aussteigt, muss die 15 Jahre bis zur ersten Auszahlung komplett aus dem klassischen Depot / anderem Einkommen bestreiten. Jeder Euro, den wir stattdessen ins geförderte Depot legen, fehlt uns ausgerechnet in der Phase, für die wir das alles überhaupt machen.

Deshalb sieht unser Plan so aus: Wir zahlen genau 30 Euro im Monat ein, also 360 Euro im Jahr. Keinen Euro mehr!

Warum ausgerechnet diese Zahl? Weil 360 Euro exakt die Grenze sind, bis zu der der Staat 50 Cent pro Euro dazugibt. Wir sammeln also die 180 Euro Grundzulage ein, die den mit Abstand besten Fördersatz im ganzen System haben. Ab dem 361. Euro halbiert sich die Förderung auf 25 Cent, und für 25 Cent geben wir unsere Verfügbarkeit nicht her. Alles darüber wandert bei uns ins ganz normale ETF-Depot, an das wir jederzeit herankommen. (Wer Kinder hat, rechnet an dieser Stelle etwas anders, denn die volle Kinderzulage von 300 Euro gibt es schon ab 300 Euro Eigenbeitrag – die 30 Euro im Monat decken beides gleichzeitig ab. 🤓)


Das Schöne daran ist, dass aus dem Nachteil am Ende sogar ein kleiner Vorteil wird. Denn die Auszahlung ab 65 kommt für uns dann in einer Lebensphase an, in der wir uns bestimmt nochmal über zusätzliches Kapital freuen. Wir behandeln das Altersvorsorgedepot deshalb nicht als Kernbaustein, sondern als kleines Extra-Einkommen für die zweite Hälfte unserer Rente – finanziert zur Hälfte vom Staat und gerade so groß, dass es in der Zwischenzeit nicht wehtut.


🦺 Unsere dringende Empfehlung an dich: Leg hier nur Geld hinein, von dem du dir wirklich sicher bist, dass du es bis 65 nicht brauchst. Und wenn du noch keinen Notgroschen hast, dann fang bitte erstmal mit dem Notgroschen an und nicht mit dem Altersvorsorgedepot, denn ein Notgroschen an den du nicht rankommst, ist kein Notgroschen!


🏝️ Und eine Ergänzung für alle mit Fernweh: Wer seinen Ruhestand außerhalb der EU verbringt, muss die komplette Förderung zurückzahlen. Wenn Thailand, Kanada oder die Türkei in deinen Plänen vorkommen, prüf das bitte vorher ganz genau.


2. Steuerzahlungen in der Rente

Das ist der zweite Punkt, den wir wichtig finden, weil er in kaum einer Werbung auftaucht. Der Unterschied zwischen den beiden Depotarten liegt nämlich nicht nur darin, wann du herankommst, sondern auch darin, worauf der Staat am Ende zugreift:

  • Bei einem normalen ETF-Depot zahlst du nur auf die Gewinne Steuern, nämlich 25 Prozent Abgeltungssteuer, und bei Aktienfonds sind davon noch einmal 30 Prozent freigestellt. Was du selbst eingezahlt hast, gehört dir steuerfrei!

  • Beim Altersvorsorgedepot zahlst du dagegen auf alles Steuern, was ausgezahlt wird, also auf deine Einzahlung und den Gewinn zusammen, und zwar mit deinem persönlichen Steuersatz im Alter. Bei den meisten Menschen ist dieser Steuersatz im Ruhestand niedriger als heute, und dann geht die Rechnung auf. Wenn du im Alter aber noch ordentlich Einkommen hast, etwa eine gute gesetzliche Rente plus z.B. Mieteinnahmen, kann dein Steuersatz über den 25 Prozent liegen – und dann zahlst du am Ende mehr Steuern, als du beim Einzahlen gespart hast.


3. Die Kosten

Beim sogenannten Standarddepot dürfen die Kosten höchstens 1,0 Prozent im Jahr betragen. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist über 40 Jahre aber alles andere als das.

Verbraucherschützer, unter anderem Finanztip, hatten im Gesetzgebungsverfahren 0,5 Prozent gefordert und sich damit nicht durchgesetzt. Zum Vergleich: Ein selbst gewählter Welt-ETF kostet dich 0,1 bis 0,2 Prozent im Jahr, und der Unterschied zwischen 0,2 und 1,0 Prozent summiert sich über 40 Jahre auf rund 65.000 Euro. Das ist kein Rundungsfehler, das ist ein Kleinwagen pro Jahrzehnt.

Was du daraus machst: Nimm nicht automatisch das vorkonfigurierte Standardpaket, sondern schau nach, ob dein Anbieter dich die ETFs selbst aussuchen lässt und ob er dabei deutlich unter dem 1-Prozent-Deckel bleibt. Genau da liegt der Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Angebot.


4. Das staatliche Standarddepot fehlt bis heute

Im Gesetz steht, dass der Staat auch selbst ein einfaches Depot anbieten kann, und ein solches Produkt ohne jedes Vertriebsinteresse wäre für sehr viele Menschen die beste Lösung überhaupt. Nur gibt es die dafür nötige Verordnung bis heute nicht, und niemand kann sagen, ob und wann sie kommt. Warten würden wir darauf nicht.

Ein Vorteil, den kaum jemand kennt

Auf diesen Punkt hat uns ein Follower nach unserem Instagram-Post aufmerksam gemacht, und wir finden ihn so wichtig, dass er hier unbedingt hinein muss. Denn er ist der einzige Bereich, in dem das Altersvorsorgedepot einem normalen Depot klar überlegen ist – und er wiegt einen Teil der Unflexibilität wieder auf.


Es geht um die Frage, was passiert, wenn du irgendwann staatliche Leistungen brauchst.

Beim normalen Depot ist die Antwort unangenehm: Wenn du Leistungen vom Jobcenter beantragst, wird dein Vermögen geprüft, und alles oberhalb bestimmter Freibeträge musst du erst aufbrauchen, bevor du überhaupt leistungsberechtigt bist. Seit dem 1. Juli 2026 ist diese Regel deutlich strenger geworden, denn mit der Umstellung auf die neue Grundsicherung ist die frühere Karenzzeit ersatzlos weggefallen. Geprüft wird jetzt vom ersten Tag an, und geschützt bleibt nur ein Betrag, der sich allein nach deinem Alter richtet:

Dein Alter

Geschütztes Vermögen pro Person

bis 30

5.000 €

ab 31

10.000 €

ab 41

12.500 €

ab 51

20.000 €


Wer also mit 45 seinen Job verliert und 60.000 Euro im ETF-Depot hat, muss davon erst einmal rund 47.500 Euro verbrauchen. Zwanzig Jahre Sparen, aufgelöst in ein paar Monaten, und dazu noch im schlechtestmöglichen Moment: Verkauft wird dann, wenn du das Geld brauchst, und nicht dann, wenn die Kurse gut stehen.


Beim Altersvorsorgedepot sieht es anders aus: Staatlich gefördertes Altersvorsorgevermögen ist gesetzlich geschützt und wird nicht angerechnet. Geregelt ist das in § 12 SGB II, der ausdrücklich auch solche Formen der Altersvorsorge schützt, die „nach Bundesrecht ausdrücklich als Altersvorsorge gefördert werden" – und genau das ist das Altersvorsorgedepot.


Für Selbstständige ist dieser Punkt besonders wichtig, denn sie erwischt eine schlechte Auftragslage schneller und härter als Angestellte. Wer sich also gefragt hat, warum man Geld freiwillig hinter einem Schloss parkt: Das hier ist eine sehr gute Antwort darauf.


Zwei Einschränkungen, die dazugehören

Wir wollen das nicht schöner machen, als es ist, deshalb zwei Punkte, die du mitdenken solltest:

  • Geschützt ist nur der geförderte Teil. Du darfst zwar bis zu 6.840 Euro im Jahr einzahlen, gefördert werden aber nur die ersten 1.800 Euro. Alles, was du darüber hinaus einzahlst, ist kein gefördertes Altersvorsorgevermögen und kann bei der Vermögensprüfung mitgezählt werden. Wer den Schutz will, sollte also innerhalb der Förderhöchstgrenze bleiben.

  • Und der Schutz endet, wenn du rangehst. Sobald du dir das Geld vorzeitig auszahlen lässt, ist es eine ganz normale Entnahme – die Förderung musst du zurückzahlen, und geschützt ist danach nichts mehr.


Was das für unsere eigene Strategie bedeutet

Wir bleiben trotzdem bei unserem Mindestbeitrag, weil wir zwei Einkommen, einen Notgroschen und ein breites Depot im Rücken haben und das Risiko, jemals Jobcenter-Leistungen zu brauchen, für uns überschaubar ist. Aber das ist unsere Situation und nicht deine. Wenn du selbstständig bist, allein verdienst oder in einer schwankenden Branche arbeitest, ist dieser Schutz ein echtes Argument, mehr als den Mindestbeitrag einzuzahlen.


💛 Danke an dieser Stelle an Luca für den Hinweis – genau für solche Ergänzungen lieben wir unsere Community.



Wo du dich jetzt schon vormerken lassen kannst

Der erste Anbieter, der mit richtig konkreten Zahlen herausgekommen ist, ist 👉🏼 Scalable Capital – seit dem 27. August 2026 kannst du dich dort für das Altersvorsorgedepot vormerken lassen.

Das hat Scalable bisher angekündigt:

  • keine Depotgebühr, und auch keine Kosten für Käufe, Verkäufe, Sparpläne, Ein- und Auszahlungen

  • im Jahr 2027 übernimmt Scalable sogar die laufenden ETF-Kosten

  • danach zahlst du nur die ETF-Kosten selbst, gedeckelt auf höchstens 0,15 Prozent im Jahr

  • Sparrate ab 1 Euro im Monat

  • Start am 1. Januar 2027

Die 0,15 Prozent sind dabei die Zahl, auf die es ankommt, denn der gesetzliche Deckel liegt bei 1,0 Prozent – Scalable liegt also unter dem, was erlaubt wäre. (Super für uns Sparer:innen! 🎉) Und weil unser eigener Plan ohnehin auf 30 Euro im Monat hinausläuft, passt die Mindestsparrate von 1 Euro gut zu allen, die es wie wir bewusst klein halten wollen.

🎟️ Es gibt außerdem einen weiteren Grund, die Depoteröffnung nicht aufzuschieben: Unter allen, die sich bis zum 31. Dezember 2026 vormerken lassen, werden fünf Menschen gezogen, die 540 Euro im Jahr bis zur Rente geschenkt bekommen. Für jeden Monat wird ein eigener Lostopf gebildet, wer also früher dran ist, ist in mehr Töpfen dabei. Gezogen wird im Januar 2027.


So läuft die Vormerkung ab:

  1. Falls du noch kein Konto bei Scalable hast, eröffnest du zuerst ein normales Depot oder ein Tagesgeldkonto, was kostenlos ist (FREE Tarif reicht).

  2. Im Kundenbereich meldest du dich dann für das Altersvorsorgedepot vor.

  3. Das war es schon – du zahlst nichts ein, bindest dich an nichts, und Scalable meldet sich bei dir, sobald es losgeht.



Auch bei einer Empfehlung bleiben wir transparent: Alle diese Konditionen stehen unter dem Vorbehalt der Zertifizierung, die erst ab Herbst 2026 läuft. Und Scalable ist nicht der einzige Anbieter mit guten Zahlen – 👉🏼 Quirion hat ETF-Kosten von 0,07 bis 0,08 Prozent angekündigt und die Sparkassen-Gruppe zieht mit einem eigenen günstigen ETF-Angebot nach. Sobald alle Karten auf dem Tisch liegen, vergleichen wir die Anbieter in Ruhe und berichten hier.


Was passiert mit deinem alten Riester-Vertrag?

Die kurze Antwort lautet: Du musst gar nichts tun. Alle Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, genießen Bestandsschutz und laufen einfach weiter wie bisher.


Wenn du etwas ändern möchtest, hast du verschiedene Möglichkeiten: Du kannst alles so lassen, was vor allem dann sinnvoll ist, wenn du kurz vor der Rente stehst oder zufällig einen günstigen Vertrag erwischt hast. Du kannst den alten Vertrag ruhen lassen und ab 2027 neu anfangen, wobei dein bisheriges Guthaben einfach liegen bleibt. Du kannst das Guthaben übertragen, solltest dann aber vorher nachrechnen, weil dabei Wechsel- und Abschlusskosten anfallen können.


‼️ Unser Rat: Bevor du irgendetwas anfasst, lass dir von deinem Anbieter die Effektivkosten deines bestehenden Vertrags schriftlich nennen. Viele Riester-Verträge liegen bei 1,5 bis 2,5 Prozent im Jahr, und wenn deiner dazugehört, lohnt sich ein Wechsel trotz aller Gebühren fast immer. Liegt er deutlich darunter, lass ihn einfach laufen.



Unser Fazit

Wir finden diese Reform gut, und das sagen wir wirklich selten über ein Gesetz. 🤓


Was uns überzeugt, ist vor allem die Ehrlichkeit der Förderung: 50 Cent auf den ersten Euro, 25 Cent danach – das kann jeder im Kopf ausrechnen, und schon allein damit ist das alte Riester-Kuddelmuddel abgeräumt. Dazu kommt, dass die Beitragsgarantie weg ist und das Geld endlich arbeiten darf, und dass Selbstständige zum ersten Mal überhaupt mitmachen dürfen. Für dich im Überblick

Wer du bist?

Lohnt sich?

Warum?

zwischen 18 und 24

✅ ja

200 € Bonus plus 40 Jahre Zeit

unter 18

❌ noch nicht

erst ab Volljährigkeit, davor greift die geplante Frühstartrente

Familie mit Kindern

✅ ja

300 € pro Kind, das ist echt bares Geld

selbstständig oder freiberuflich

✅ ja

erstmals überhaupt förderberechtigt

hoher Steuersatz, kinderlos

✅ eher ja

der Steuervorteil beim Einzahlen ist echtes Geld

alleinverdienend, geringes Einkommen, unsicheres Beschäftigungsverhältnis, geringe berufliche Qualifikation

✅ ja!

staatliche Zulagen sind ein großes Plus sowie der Schutz des Kapitals bei Arbeitslosigkeit

Immo-Fans mit Immobilien, die bis ins Rentenalter gehalten werden

⚠️ nachrechnen

Bei zu hohem Einkommen im Rentenalter greift ein höherer Steuersatz, der die Vorteile in der Ansparphase hemmt

über 40, kinderlos, mittleres bis hohes Einkommen

⚠️ nachrechnen

ein klassisches ETF-Depot ist oft die bessere Wahl

auf dem Weg zu FIRE

⚠️ nur der Mindestbeitrag

auf Grund der fehlenden Flexibilität

Riester-Vertrag, kurz vor der Rente

⚠️ nichts überstürzen

Bestandsschutz gilt, in Ruhe prüfen



Und ganz gleich, wie du dich am Ende entscheidest: Das Grundprinzip stimmt endlich. Ein staatlich gefördertes ETF-Depot mit klaren, nachvollziehbaren Zulagen ist genau der richtige Weg – es hat nur 25 Jahre gedauert, bis jemand darauf gekommen ist. ✌🏼




Investieren lernen

Wenn du jetzt loslegen willst


💡 In unserem ETF Mini-Kurs "Dein erster ETF Sparplan" lernst du ausführlich was Broker, ETFs, Aktien und die Börse eigentlich sind.


Damit du im Januar 2027 alle Begriffe kennst und selbstsicher die ETFs für dein Altersvorsorgedepot auswählen kannst!




Anmerkung: Keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Alle Rechenbeispiele sind vereinfacht und beruhen auf Annahmen, Renditen der Vergangenheit sagen nichts über die Zukunft. Für deine persönliche Situation hol dir bitte fachlichen Rat. Dieser Artikel enthält Eigenwerbung und Affiliatelinks, diese ermöglichen es uns, einen Großteil unserer Inhalte weiterhin kostenfrei teilen zu können.


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