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Finanziell frei: So funktioniert die Rente mit 40

Die finanzielle Freiheit oder die "Rente mit 40": Ein Traum vieler Menschen. Und auch wir verfolgen das Ziel, uns durch ein sparsamen Konsum eine finanzielle Unabhängigkeit zu ermöglichen. Doch welche Kosten hast du noch, wenn du finanziell frei bist? Wie lebt es sich als Privatier? Welche Ausgaben muss man im Blick haben? In diesem Blogartikel werfen wir für euch einen Blick auf genau diese Fragen.


Finanziell frei sein und die Welt bereisen und entdecken

Zu Beginn: Wir möchten in diesem Blogartikel einen Blick auf die Endstufe der finanziellen Freiheit werfen. Das bedeutet, hier wir gehen davon aus, dass du nicht mehr arbeitest und auch nicht mehr selbstständig bist, sondern dein Einkommen nur aus passiven Einnahmequellen wie Investments oder Immobilien beziehst. Du bist also Privatier! 🤓

 

Was ist ein Privatier?

Laut Duden ist ein Privatier (m/w/d) "jemand, der keiner Erwerbstätigkeit nachgeht". Ein Privatier lebt von seinem Vermögen und bestreitet seinen Unterhalt durch Zinsen, Dividenden oder Mieteinahmen. Ein Privatier lebt hierbei nicht vom Staat, sondern kann seinen Lebensunterhalt vollständig selbst finanzieren. "Privatier" klingt erstmal sehr elitär und nach altem Geldadel, meint aber auch Frugalisten, die die finanzielle Freiheit erreicht haben und nun von ihrem Ersparten leben können.

 

Wenn du das Ziel verfolgst mit 40 vollständig in Rente zu gehen oder ein Leben als Privatier anstrebst, ist die erste Aufgabe, dir ein vollständiges und realistisches Bild von deinem zukünftigen Kapitalbedarf zu machen. Hierbei solltest du nichts schön rechnen, sondern eher großzügig drauf rechnen. Deshalb musst du folgende wesentliche Faktoren berücksichtigen:


Zukünftige Lebenshaltungskosten ermitteln

Zu Beginn benötigst du eine Übersicht, wie hoch deine zukünftigen monatlichen Kosten sind. Um diese zu ermitteln, führst du am besten heute schon ein Haushaltsbuch (Link zu unserer Vorlage) oder nutzt eine Haushaltsbuch-App (z.B. Finanzguru*). Dadurch weißt du, wie viel Geld du heute bereits zum Leben brauchst und kannst somit deinen zukünftigen monatlichen Kapitalbedarf hochrechnen. Zu deinen monatlichen Lebenshaltungskosten zählen übrigens auch Versicherungen (abseits von Kranken- und Pflegeversicherung). Viele gehen davon aus, dass man "im Alter" weniger Geld verbraucht. Wir teilen diese Ansicht nicht, sondern denken eher, dass wir genauso viel wie heute oder sogar eher mehr monatliches Kapital benötigen werden. Daher setze dir ein realistisches monatliches Zielbudget: Sobald du dein monatliches Wunsch-Budget kennst, kannst du deinen Zielbetrag über die 4%-Regel errechnen.

Viele Frugalisten berechnen ihre finanzielle Unabhängigkeit mit der 4% - Regel (Quelle: Trinity-Studie aus dem Jahr 1998): Diese besagt, dass du bei einer Entnahme von 4% deines jährlichen Kapitals, von den Erträgen leben kannst - ohne dein Gesamtkapital zu schmälern. Dabei muss deutlich gemacht werden, dass diese Modellrechnung von stetig wachsenden Kursen ausgeht (4% p.a.).

Dein Kapitalbedarf fürs Alters berechnet laut 4% Regel wie folgt: Summe monatliches Budget mal 12 (da 12 Monate) mal den Faktor 25

Zielbetrag über die 4%-Regel errechnen

Der Zielbetrag gibt dir eine Orientierung auf welchen Betrag du ca. hinsparen musst. Ein weiterer Vorteil der 4% Regel ist, dass diese bereits die Inflation berücksichtigt. Allerdings hat diese Rechenformel zentrale Kritikpunkte, durch die wir die Regel als nicht hinreichend betrachten, um uns für unsere persönliche finanzielle Zukunft, vollkommen darauf zu verlassen:

  • Laut den Erkenntnissen der Trinity-Studie kannst du mit einer 95%-Wahrscheinlichkeit weitere 30 Jahre von deinem Kapital leben. Allerdings bleibt ein Rest-Risiko von eben 5%. Zudem können 30 Jahre ein verhältnismäßig kurzer Zeitraum sein, wenn du wirklich bereits mit 40 in Rente gehst. Die aktuelle Lebenserwartung in Deutschland liegt bei durchschnittlich 80 Jahren. Somit also noch 10 Jahre mehr, die du finanziell abdecken musst.

  • Schwankungen am Aktienmarkt werden nur zum Teil berücksichtigt. Denn es kann passieren, dass du genau dann in dein finanziell freies Leben starten möchtest, wenn die Aktienkurse gerade im Keller sind.

  • Die Entnahme von 4% pro Jahr bezieht sich nur auf deine privaten Ausgaben, aber beinhaltet weder Steuern und Gebühren. Diese musst du unbedingt berücksichtigen in deiner Rechnung.

Steuern und Gebühren

In der Community herrscht oft Unwissenheit und Verwirrung darüber, wie viel Steuern du tatsächlich zahlen musst, wenn du als Privatier ganz oder teilweise von deinen Kapitalerträgen lebst. Auch wir haben aus Unwissenheit anfangs zu viel Kapital für Steuern einberechnet, nämlich knapp 26%. Doch die gute Nachricht: Es ist deutlich weniger! Wir betrachten hier die aktuelle Gesetzeslage, doch Steuergesetze sind stetig im Wandel. So kann es also sein, dass die Steuergesetze zu dem Zeitpunkt an dem du finanziell unabhängig bist, schon wieder komplett anders sind.


Wenn irgendwo davon die Rede ist, dass man auf Kapitalerträge 25 % oder 26 % Steuern zahlen muss, dann ist damit meist die Abgeltungssteuer gemeint. Wenn du noch in der Kirche bist, kommen zusätzlich noch Kirchensteuerbeträge oben drauf. Es gibt allerdings eine steuerliche Sonderregel, die uns als zukünftige Privatiere extrem in die Karten spielt. Die sogenannte Günstigerprüfung:

Wenn ich im Steuerformular jedoch die Günstigerprüfung beantrage, dann prüft das Finanzamt, ob ich mit dem persönlichen Steuersatz weniger Steuern entrichten würde als bei Anwendung der Abgeltungssteuer. Ist das der Fall, dann werden meine Kapitalerträge nicht mit der Abgeltungssteuer, sondern mit meinem persönlichen Steuersatz versteuert. Und der ist in vielen Fällen deutlich niedriger als 25 %. Die Frage ist also: Bis zu welchem Einkommen ist der persönliche Steuersatz niedriger als die Abgeltungssteuer?

(Quelle: https://frugalisten.de)

Es hilft also ein Blick in die Grundtabelle der Einkommenssteuer, um deinen persönlichen Steuersatz unter Annahme der Günstigerprüfung zu ermitteln. Zusätzlich gibt es noch weitere praktische und legale Tricks, wie du im Entsparprozess Steuern zahlen kannst. Wie das genau geht mit den Steuern erklärt Steuerberaterin Janine in diesem Blogartikel: 🔗 Vom eigenen Depot leben

Pflege- und Krankenversicherung

Auch diese musst du einrechnen: Diese werden dir als Arbeitsnehmer:in direkt von Gehalt abgezogen. Wenn du in Zukunft finanziell frei bist und nur noch von deinen Einkünften lebst, musst du deine Kranken- und Pflegeversicherung selber tragen. Die Höhe ist hierbei individuell und schwankt:

  • Privat Versicherte zahlen ihre Beiträge meist unabhängig vom Einkommen (in der Regel) etwa 400€ pro Monat

  • Freiwillig gesetzlich Versicherte zahlen rund 17% für Kranken- und Pflegeversicherung auf ihre Einkünfte. Mindestens jedoch 170€ pro Monat.


Und nun zu den Details deiner finanziellen Unabhängigkeit

Nehmen wir also an, du möchtest in Zukunft von 2.000€ im Monat leben und bist freiwillig gesetzlich versichert. Damit zahlst du monatlich 17% Kranken- und Pflegeversicherung auf 2.000€, also 340€:


Kapitalermittlung laut 4%-Regel:

  • 2.000€ (monatliches Budget) * 12 = 24.000€

  • 24.000€ * Faktor 25 = 600.000€

Berücksichtigung Steuern und Gebühren:

  • Laut Grundtabelle zahlst du auf 24.000€ mit Günstigerprüfung ca. 3.930€ Steuern pro Jahr. Das sind ca. 16%.

  • Und hier kannst du sogar noch deinen Steuerfreibetrag geltend machen von aktuell 1.000€. Somit zahlt du effektiv nur 2.930€ Steuern pro Jahr.

  • 3.000€ * Faktor 25 = 73.250€


Kranken- und Pflegeversicherung:

  • 340€ (Beitrag für die Kranken- und Pflegeversicherung) * 12 = 4.080€

  • 4.080€ * Faktor 25 = 102.000€

Insgesamt sollten deine Investments also einen Vermögenswert von 775.250€ aufweisen für eine monatliche Netto-Zahlung an dich selbst in Höhe von 2.000€.



Das klingt nun erstmal nach einer sehr stolzen Summe. Mit einem klaren Finanzkonzept und einer langen Ansparzeit (z.B. über 30 Jahre - Liebe Eltern, investiert doch jetzt bereits für eure Kinder!) kannst du dies mit mit einer Sparrate von ca. 950€ im Monat erreichen. Rechne gerne mal ein wenig für dich selbst herum, z.B. mit dem Sparrechner von Finanzfluss.


Ob wir mit 40 übrigens wirklich finanziell frei sind und in Rente gehen, steht noch in den Sternen: Wir haben aktuell einen klaren Finanzplan und sehr hohe Sparquoten. Ob wir dies in den nächsten Jahren so halten können oder wir nicht doch etwas früher die Arbeitszeit reduzieren ist ein anderes Thema und vielleicht etwas für den nächsten Blogpost!? 😉

Wie immer gilt: Dies ist eine Beispielrechnung und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar! Es gilt: #DYOR - Do your own research!



1 Kommentar

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1 Comment


Guest
Feb 02

Hi,

danke für den coolen Artikel, ich glaube aber ihr habt in eurer Rechnung einen kleinen Fehler. Ihr dürft den Steuerbetrag noch an Beginn ermitteln, dann am Ende zahlt man auf die zusätzlichen zB 3000€ Einkommen die ihr für die Steuer ermittelt habt ja nochmal Steuer. Selbes für den Beitrag zur Pflegeversicherung, Ihr müsst also nicht 24000 sondern letztlich ~31000 versteuern, was den Betrag nochmal etwas erhöhen dürfte.

lg, Christian

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