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How To: Anleihen

Aktualisiert: 23. Okt. 2023

In den letzten Jahren hatten Anleihen keinen Stellenwert in unserem Portfolio, obwohl die Finanzliteratur dazu rät. Nun möchten wir unserem Portfolio aktiv Anleihen beisteuern, um unser Geld "sicherer" zu parken und es trotzdem weiterhin für uns arbeiten zu lassen. Der Mehrwert von Anleihen ist vor allem das geringe Risikoprofil dieser Anlageklasse. Wir beleuchten in diesem Blogartikel die Anlageklasse "Anleihen" genauer, stellen dar, was Anleihen eigentlich sind und teilen, welche Anleihen wir uns für unser persönliches Portfolio anschauen.


Sicherheit VS. Risiko Wir werden ja allgemein nicht müde zu betonen, dass das eigene Gesamtvermögen möglichst breit diversifiziert werden sollte. Wenn man nun sein Gesamtvermögen betrachtet, sollte man sich als allererstes die Frage stellen: "Wie viel Prozent dieses Vermögens möchte ich mit kalkulierbarem Risiko investieren und wieviel Prozent eher solide als Sicherheitsbaustein?" (Achtung: Der Notgroschen ist hiervon gezielt ausgenommen!)

Es gibt eine "Daumenregel", an der man sich als Anleger:in orientieren kann: Diese lautet 100 - Lebensalter = Investmentquote

Das beantwortet zum Teil auch die Frage, warum wir nun ein wenig an unserer Gesamt-Portfoliostruktur pfeilen: Wir werden alt 😄 Naja, zumindest sind wir nun beide über 30 und möchten dies entsprechend in unserem Portfolio berücksichtigen. Bisher lag unsere Investmentquote, also der Risiko-Baustein des Portfolios, bei ca. 80%. Diesen Anteil möchten wir nun etwas reduzieren und zwar über Anleihen. Das machen wir unter anderem, indem wir unsere Sparpläne nun die nächsten Monate umstellen, in Anleihen investieren und diese Assetklasse somit im Portfolio ergänzen.


Gleichzeitig waren Anleihen in den letzten Jahren durch die Niedrig-Zinsen einfach kein attraktives Anlageprodukt. Nun ist "durch den Kurseinbruch (im letzten Jahr) die Überbewertung der Vorjahre abgebaut worden, der Einstieg daher wieder interessanter geworden." (Quelle: handelsblatt.de, 10.01.2023)


Was sind Anleihen?

Anleihen sind eine Art von Wertpapieren, die von Unternehmen oder Regierungen ausgegeben werden, um Geld zu beschaffen. Ein Anleihe-Investor leiht dem Aussteller Geld für einen festgelegten Zeitraum und erhält im Gegenzug regelmäßige Zinszahlungen sowie die Rückzahlung des Kapitals am Ende der Laufzeit.


Warum sind Anleihen generell attraktiv?

Es gibt verschiedene Gründe, warum Anleihen für uns als Anleger:innen attraktiv sind:

  1. Sicherheit: Anleihen gelten als sicherere Anlageform im Vergleich zu Aktien, da sie regelmäßige Zinszahlungen bieten und das investierte Kapital am Ende der Laufzeit zurückgezahlt wird.

  2. Diversifikation: Anleihen können eine wertvolle Ergänzung zu einem Portfolio aus Aktien und/oder ETFs sein, da sie in anderen Marktbedingungen anders reagieren können.

  3. Niedrige Zinsen: In Zeiten niedriger Zinsen können Anleihen besonders attraktiv sein, da sie im Vergleich zu Sparkonten oder anderen traditionellen Anlageformen höhere Zinsen bieten können.

  4. Inflation: In Zeiten steigender Inflation können Anleihen mit längeren Laufzeiten attraktiv sein, da sie höhere Zinsen bieten, die der Inflation entgegenwirken können.

Auch hier gilt: Du solltest nur Geld in Anleihen investieren, von dem du dir sicher bist, dass du es in den nächsten Jahre nicht brauchst. Denn auch wenn Anleihen ein geringeres Risikoprofil aufweisen als andere Finanzprodukte, bleibt es dennoch ein Investment, welches von Marktbedingungen beeinflusst wird.

Für uns besonders interessant sind Staatsanleihen, da Staaten in der Regel im Vergleich zu einzelnen Unternehmen eine deutlich höhere Bonität aufweisen.

Was sind Staatsanleihen?

Staatsanleihen sind Anleihen, die von Regierungen ausgegeben werden, um Geld zu beschaffen. Hier sind ein paar wichtige Punkte, die bei Staatsanleihen zu beachten sind:

  1. Kreditwürdigkeit: Die Kreditwürdigkeit eines Staates beeinflusst die Wahrscheinlichkeit, dass er seine Schulden zurückzahlen kann. Daher ist es wichtig, die Kreditwürdigkeit des Emittenten zu überprüfen, bevor man in Staatsanleihen investiert.

  2. Zinsen und Laufzeit: Die Zinsen und die Laufzeit von Staatsanleihen sind wichtige Faktoren bei der Entscheidung, ob man in sie investieren möchte. Je länger die Laufzeit einer Anleihe, desto höher ist in der Regel auch ihr Zins.

  3. Währungsrisiko: Bei Staatsanleihen, die in einer anderen Währung als der eigenen Währung des Anlegers ausgegeben werden, besteht ein Währungsrisiko. Dies bedeutet, dass Veränderungen des Wechselkurses zwischen der Anleihe-Währung und der eigenen Währung des Anlegers den Wert der Anleihe beeinflussen können.

  4. Politische Stabilität: Die politische Stabilität eines Landes kann den Wert seiner Staatsanleihen beeinflussen. Unruhen, politische Instabilität oder ein Wechsel an der Regierung können zu Veränderungen des Marktwerts der Anleihen führen.

Welche Länder gelten als besonders kreditwürdig?

Einige Staaten werden als besonders kreditwürdig angesehen und gelten als sichere Anlageziele für Anleger. Zum Beispiel die folgenden Länder:

  1. Deutschland: Deutschland gilt als eines der kreditwürdigsten Länder der Welt und wird oft als "sicherer Hafen" für Anleger bezeichnet. Zur Zeit sind Bundesrepublik-Anleihen mit Fälligkeiten vom 2023 bis 2053 erhältlich mit Kupons (dazu später mehr), die bis 6,5% reichen.

  2. Schweiz: Die Schweiz hat eine lange Geschichte politischer Stabilität und eine starke Wirtschaft, was sie zu einem beliebten Ziel für Anleger macht.

  3. Österreich: Ähnlich wie Deutschland und die Schweiz hat Österreich eine starke Wirtschaft und politische Stabilität, was es zu einem beliebten Ziel für Anleger macht.

  4. USA: Die Vereinigten Staaten sind die größte Wirtschaft der Welt und gelten als eines der kreditwürdigsten Länder.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Kreditwürdigkeit eines Staates sich im Laufe der Zeit ändern kann, abhängig von politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Daher ist es wichtig, die aktuelle Kreditwürdigkeit und den politischen Kontext zu berücksichtigen, bevor man in Staatsanleihen investiert.


Kupons, Laufzeit und Rendite

Wenn man zu Anleihen recherchiert fallen einem schnell Begriffe ins Auge, die wir uns näher und im Detail anschauen müssen:

  • Kupons sind die Zinszahlungen, die ein Anleiheemittent an seine Anleihegläubiger auszahlt. Der Kupon einer Anleihe wird in Prozentpunkten ausgedrückt und bezieht sich auf die Höhe der jährlichen Zinszahlungen. Wenn du zum Beispiel eine Anleihe mit einem Kupon von 4% kaufst, erhältst du jedes Jahr Zinszahlungen in Höhe von 4% des Nennwerts der Anleihe. Diese Zahlungen können jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich erfolgen, je nach den Bedingungen des Emittenten.

  • Die Laufzeit einer Anleihe hingegen bezieht sich auf die Dauer, für die das Darlehen ausgegeben wird. Es ist die Zeitdauer, während der der Anleiheemittent (z.B. ein Unternehmen oder ein Staat) verpflichtet ist, den Anleihegläubiger regelmäßig mit Zinszahlungen (Kupons) zu bedienen. Es bedeutet hingegen nicht, dass dein Geld hier fix gebunden ist: Du hast stets die Möglichkeit deine Anleihe zu verkaufen. Wenn du vor Ablauf der Laufzeit verkaufst, musst du jedoch den jeweiligen Kurs an der Börse in Kauf nehmen. Am Laufzeitende erhältst du dein komplettes eingesetztes Kapital zurück.

  • Die Rendite oder auch der sogenannte Anleihezins (Englisch: Yield to maturity) sagt aus, wie viele Rendite du mit deinem Investment machst, wenn du heute kaufst und dein Geld bis zum Ende der Laufzeit in der Anleihe für dich arbeiten lässt. Denn Anleihen werden immer an einem Tag X ausgegeben mit einem Nennwert (zum Beispiel 100€) und laufen bis zu einem Tag Y. Wenn du nun heute eine Anleihe kaufst, die aber bereits vor 10 Jahren ausgegeben wurde, musst du darauf achten zu welchem Kurs du diese Anleihe nun kaufst. In den meisten Fällen kaufst du diese nun "teurer", also zu mehr als 100%. Die Rendite ist also eine wichtige Kennzahl, die du berücksichtigen musst.


Wie und wo kaufe ich Anleihen?

Anleihen kaufst du genauso wie ETFs oder Aktien: Über deine Bank/deinen Broker.

Besonders charmant: Mittlerweile gibt es auch Anleihen-ETFs, die Staatsanleihen bündeln. Auch hier hängt es wieder vom Broker bzw. deiner Bank ab, ob eine bestimmte Anleihe oder ein Anleihen-ETF dort handelbar sind.

Jede Anleihe hat, genau wie ein ETF oder eine Aktie, eine WKN oder ISIN-Nummer über die du die Anleihe zuordnen kannst und gezielt bei deinem Broker nach dieser suchen kannst. Klassische Anleihen findest du allerdings eher bei traditionellen Banken. Auch aus diesem Grund haben wir weiterhin unsere Girokonten & Depots bei der ING DiBa*. Bei den Neo-Brokern kannst du hingegen nur Anleihen-ETFs handeln.


 

Du bist noch auf der Suche nach einem Broker?

Dann schau mal in diesem Blogartikel von uns vorbei: Der beste Neo-Broker

 

Welche Anleihe ist die richtige für mich?

Hier gilt wie immer #DYOR - Do your own research! Die Auswahl ist riesig und du solltest dir vor deiner Entscheidung bewusst die folgenden Fragen stellen:

  • Wieviel Prozent meines Gesamt-Portfolios möchte ich in Anleihen investieren?

  • Welche Staaten (oder Unternehmen) betrachte ich als zuverlässig? Wir konzentrieren uns aktuell nur auf Staatsanleihen, aber vielleicht kommen auch Unternehmensanleihen für dich in Frage.

  • An welche Staaten möchte ich mein Geld verleihen? Eher eine moralische Frage: Natürlich bestechen manche Staaten mit einem höheren Zins, doch möchtest du diesen Staaten dein Geld leihen?

  • Wie ist das Bonitätsrating für diesen Staat? Die Ratingagenturen vergeben an besonders kreditwürdige Staaten das Rating AAA.

  • Ab welchem Betrag ist die Anleihe/der Anleihen-ETF handelbar? Anleihen der dominikanischen Republik sind beispielsweise erst ab 150.000 US Dollar handelbar.

  • Wie hoch sind die jährlichen Kosten, die mein Broker/das herausgebende Finanzinstitut für diese Anleihe erhebt?


Deine Anleihe finden!

Ein guter Startpunkt ist zum Beispiel die Anleihen-Suche der Boerse Stuttgart:

Mit Hilfe dieser Anleihen-Suche, kannst du einfach Staatsanleihen finden und vergleichen, indem du bei Typ "Staatsanleihe" wählst. Anleihen-ETFs findest du unter anderem auch bei finanzfluss.de:

Hier kannst du gezielt nach ETFs suchen und diese miteinander vergleichen. Hier findest du auch die Info, welcher Anleihen-ETF bei deinem Broker handelbar ist.

Und nun? Nun steht deine persönliche Entscheidung für eine Anleihe oder einen Anleihen-ETF aus. Da das Thema Anleihen insgesamt nicht ganz einfach zu verstehen ist, insbesondere hinsichtlich der gegenläufigen Entwicklung von Zins und Anleihenkurse, schau dir gern auch noch dieses Youtube-Video zum Thema an: Sind Anleihen wieder attraktiv? Wir persönlich haben uns letztendlich, auch auf Grund der Einfachheit dieses Produktes, für einen europäischen Anleihen-ETF als Sparplan entschieden, ergänzt durch eine einzelne zusätzliche Staatsanleihe via Einmalinvestition.



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